Trends & Tipps – Der Kapitalanleger- Blog der PATRIZIA

Nachhaltiges Bauen ist mehr als nur geringer Energieverbrauch

gold_waage_haus

Wenn es um das nachhaltige Bauen geht, dann wird häufig zunächst nur an den Umweltschutz gedacht. Das ist naheliegend, denn der Gebäudesektor ist für rund 40 Prozent des Energieverbrauchs und ein Drittel der CO2-Emissionen verantwortlich. Doch allein „grüne“ Faktoren im Blick zu haben, greift zu kurz. Nachhaltig zu planen, zu bauen und zu betreiben erfordert eine umfassendere Perspektive und vor allem eine integrale Herangehensweise.

Zur Förderung des nachhaltigen Bauens hat sich 2007 die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen gegründete. Die gemeinnützige Vereinigung entwickelte ein Zertifizierungssystem zur Bewertung nachhaltiger Gebäude– das DGNB Zertifikat.

Im Rahmen des DGNB Zertifizierungssystems werden anhand von rund 40 Einzelkriterien die Themenfelder Ökologie, Ökonomie, Nutzerkomfort sowie Technik, Prozesse und Standort thematisiert. Damit lässt sich die nachhaltige Qualität von Immobilien, beispielsweise Büro- und Verwaltungsgebäuden, Gesundheits- oder Bildungsbauten, aber auch ganzer Stadtquartiere beschreiben und transparent nachvollziehen.

Zertifizierte Gebäude haben viele ökonomische Vorteile, sie können beispielsweise besser vermietet werden und weisen eine höhere Wertstabilität auf. Es gibt inzwischen Kreditgeber, die nur noch in zertifizierte Projekte investieren. Dabei halten sich die Mehrkosten bei Planung und Bau im Rahmen. Das zeigt eine Untersuchung des Beratungsunternehmens Drees & Sommer: Der finanzielle Mehraufwand für eine DGNB Zertifizierung bewegt sich bei den Baukosten zwischen null bis vier Prozent. Die Mehrkosten für Planung und Beratung liegen bei unter 0,5 %.

Die Relevanz der wirtschaftlichen Nachhaltigkeit eines Gebäudes wird von der DGNB als ebenso bedeutend eingestuft wie die Relevanz der ökologischen, soziokulturellen und technischen Aspekte. Nachhaltige Gebäude sollen ihren Bewohnern und Nutzern generell auf lange Zeit Lebens- und Arbeitsqualität bieten – und das ohne die Ressourcen zukünftiger Generationen zu gefährden. Um dies zu gewährleisten, müssen zum Beispiel Errichtungs- und Folgekosten betrachtet werden. Technische Aspekte wie Schallschutz oder Energietechnik spielen ebenso eine Rolle wie der Standort eines Gebäudes oder die Verwendung umweltfreundlicher Baustoffe  Neben dem Wohlbefinden berücksichtigt das DGNB System auch die Gesundheit der Gebäudenutzer.

Das DGNB System bewertet dabei keine einzelnen Maßnahmen, sondern die Gesamtperformance eines Gebäudes bzw. Stadtquartiers. Diese werden ganzheitlich und auf ihren vollständigen Lebenszyklus bezogen betrachtet – von der Planung über Errichtung und Betrieb bis hin zum Abriss.

Unterschiedliche Studien haben gezeigt, dass rund 80 Prozent der Gesamtkosten eines Gebäudes während seiner Nutzung anfallen. Daher ist es künftig unumgänglich, Planungen und Bauausführung auf diese wichtige Lebensphase eines Gebäudes hin zu erweitern und zu optimieren. Werden diese frühzeitig auf die gesamte Nutzungsdauer ausgerichtet, schlägt sich das Jahr für Jahr positiv nieder, etwa in geringeren Kosten beim Energieverbrauch oder bei den Reinigungs- und Instandhaltungsarbeiten.

Schreiben Sie einen Kommentar. Diskutieren Sie mit!