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Europäische Immobilienmärkte so stark wie seit Langem nicht mehr

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Seit die Finanzkrise überwunden ist und in den meisten Ländern die konjunkturelle Erholung einsetzt, geht es Europa immer besser. Die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern sind zwar nach wie vor vorhanden, jedoch lässt sich insgesamt Entspannung feststellen. So sinken in vielen Ländern die Arbeitslosenzahlen, während Kaufkraft und Konsumbereitschaft zunehmen. Der aufkeimende Optimismus ist dabei nicht nur in den wirtschaftlich starken Ländern wie Großbritannien, Deutschland oder Frankreich zu spüren. Auch ehemalige Krisenländer wie Spanien, Irland und die Niederlande melden sich zurück. Seit der Jahrtausendwende platzten in all diesen Ländern Immobilienblasen, wodurch die nationale Wirtschaft stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Doch nun stehen diese Länder stärker da als zuvor.

Auch in Deutschland wird regelmäßig vor einer Immobilienblase gewarnt: Steigende Immobilienpreise und Kreditzahlen werden von einigen Immobilienexperten als Anzeichen für eine Blase gedeutet. Doch der Vergleich mit Krisenländern zeigt, dass solche Sorgen völlig unbegründet sind und sich Investitionen in Wohnimmobilien in Deutschland nach wie vor lohnen – sowohl jetzt als auch in absehbarer Zukunft.

Krisenjahre sind lehrreiche Jahre

In vielen europäischen Ländern wurden die Wohnimmobilienmärkte in den vergangenen Jahren stark gebeutelt – so zum Beispiel in Spanien, Irland oder der Niederlande. Doch im Zuge des gesamteuropäischen Wirtschaftsaufschwungs konnten diese Länder ihre Immobilienkrise überwinden. Die Regierungen der Länder zogen jeweils ihre Lehre aus den Krisen und sorgen nun mit Gesetzesänderungen und Regulierungen dafür, dass sie künftig besser auf den Ernstfall einer Immobilienkrise vorbereitet sind oder gar neue Krisen verhindern können. Diese Regulierungen betreffen insbesondere die Kreditvergabe, die seit der Krise deutlich erschwert wurde. Denn eine freizügige und leichtfertige Vergabe von Krediten war in allen Ländern eines der Auslöser für die Immobilien- und Finanzkrise. So waren beispielsweise in den Niederlanden Beleihungen von bis zu 125 Prozent des Immobilienkaufpreises möglich. Zudem bestand die Möglichkeit, einen Großteil der Zinsbelastung aus den Hypotheken von der Steuer abzusetzen. In Spanien war es vor der Krise besonders einfach, einen Kredit für eine Immobilie zu bekommen, da nahezu keine Bonitätsprüfung des Darlehensnehmers erfolgte. In diesen und anderen Ländern führte die sorglose und erhöhte Kreditvergabe dazu, dass sich die Menschen und Banken hoch verschuldeten und die Wirtschaft so zum Erliegen kam.

Heute ist in den ehemaligen Krisenländern die Kreditvergabe an höhere Standards gebunden. Ob hohe Kreditzinsen, detaillierte Bonitätsprüfung der Kreditnehmer oder aber Festlegung einer Beleihungsgrenze – mit sinnvollen Vorgaben regulieren die Banken Investitionen in Wohnimmobilien, sodass die Gefahr einer Immobilienblase deutlich reduziert wird.

Warum Deutschland keine Blase droht

Auch für Deutschland wurde und wird immer mal wieder eine Immobilienblase prognostiziert. Auf den ersten Blick scheint manches auch tatsächlich dafür zu sprechen, denn seit einigen Jahren steigen die Kauf- und Mietpreise für Wohnimmobilien. Zudem nehmen immer mehr Immobilienkäufer Kredite in Anspruch, sodass der Eindruck entstehen könnte, die Kreditvergabe – wie es auch in den ehemaligen Krisenländern der Fall war – gehe leichtfertig vonstatten. Doch nimmt man den Wohnimmobilienmarkt Deutschlands genauer unter die Lupe, wird deutlich, dass es die Faktoren, die zu einer Immobilienblase führen könnten, in Deutschland allesamt nicht gibt. So ist zum Beispiel die Preisentwicklung – wenn auch der persönliche Eindruck teils ein anderer sein mag – nicht exzessiv und daher auch nicht besorgniserregend. Die Preise für Eigentumswohnungen sind zwar gerade in den Ballungszentren ohne Frage stark gestiegen, doch insgesamt in den vergangenen 20 Jahren lediglich um 25 Prozent. In Ländern, in denen eine Immobilienblase platzte, kletterten die Preise im selben Zeitraum dagegen zwischen 100 und 150 Prozent nach oben. Selbst in attraktiven Großstädten wie München, in denen die Preise um bis zu 60 Prozent stiegen, scheint der Preisanstieg im Vergleich zu den ehemaligen Krisenländern moderat. Gleichzeitig war das kräftige Preiswachstum in der jüngsten Vergangenheit von Nachholeffekten getrieben. Denn seit dem Wiedervereinigungsboom Mitte der 1990er Jahre lag die Wachstumsrate unterhalb der Inflationsrate. Erst seit 2008 kann die Inflation mit Immobilien ausgeglichen werden.

Auch Kreditvergaben geschehen in Deutschland nicht leichtfertig. Aufgrund der niedrigen Zinsen steigt zwar die Zahl der Privatkredite an, doch haben Banken ihr Vergabeverfahren nicht gelockert. Banken stellen nach wie vor hohe Ansprüche an Kreditinteressenten, um eine verlässliche Rückzahlung des Darlehens sicherzustellen. Eine Bonitätsprüfung ist unter anderem bei der Feststellung der Kreditwürdigkeit obligatorisch. Zudem kann in Deutschland nicht von einem Bau-Boom die Rede sein, der ebenfalls für eine lockere Kreditvergabe sprechen würde. In vielen Städten wird der Neubau von Wohnungen zwar forciert, doch bleibt er hinter der Nachfrage nach Wohnraum zurück. So zum Beispiel in Berlin: Gegenwärtig sieht der Stadtentwicklungsplan des Berliner Senats einen Neubau von jährlich 10.000 Wohnungen vor. Doch schon aus dem Zuwachs des vergangenen Jahres von 44.700 Zugezogenen ergibt sich ein Wohnraumbedarf von mehr als 20.000 zusätzlichen Wohnungen. Auch dies spricht gegen die Theorie, dass sich eine Immobilienblase aufbläht.

Fazit: Wohnimmobilien in Deutschland lohnen sich

Wie sich zeigt, sind in Deutschland weder unverhältnismäßige Preissteigerungen noch eine „sorglose“ Kreditvergabe zu beobachten – zwei zentrale Faktoren, die in anderen Ländern die eine Krise auslösten. Die jüngsten Preissteigerungen auf dem deutschen Wohnimmobilienmarkt werden von sozioökonomischen Entwicklungen getragen. Von irrationalen, übertriebenen Preissteigerungen kann daher nicht die Rede sein. Es ist üblich und vernünftig, dass Anleger in Zeiten schwankender Aktienmärkte und Niedrigzinspolitik auf Immobilien ausweichen, die für Sicherheit und Wertstabilität stehen.

 

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